Es gibt einfach Orte, Momente und Erlebnisse die einfach so wertvoll und wohltuend sind, dass man sich einfach nicht vorstellen kann, auf diese zu verzichten. Klingt jetzt vielleicht etwas übertrieben, aber es bleibt dabei, dass die Tage des Kalkwerk Festivals Jahr für Jahr mit die Schönsten sind. Die Menschen, die Musik, das Ambiente und das alles zu unschlagbaren Preisen sind etwas ganz Besonderes, was ich noch nie vergleichbar gefunden habe. Da ich dieses Jahr, besonders am Sonntag, leider auf zahlreiche Konzerte verzichten musste, gibt’s dieses Jahr nur einen Bericht, der alle Tage abdeckt.

Freitag:

Wie immer großartiges Varieté, besonders die „Tanzfabrik Koblenz“ und „Monsieur Chapeau“ waren großartig, aber ich gehe mal davon aus, dass Ihnen das bewusst ist.

Als Musik durften „Queen of the Hive“ eine volle Performance im Anschluss spielen und ihr Country-Folklore Style kommen im Dunklen, auf der Bühne des Kalkwerks, einfach großartig rüber. Passt wie die Faust aufs Auge. Dolly Parton’s „Jolene“ haben sie großartig performt. Die meisten anderen Songs kannte ich im Original nicht, aber die Tatsache dass ich die Eigenkompositionen nicht von den Covern unterscheiden könnte, spricht für sich. Tolle Band, tolles Konzert.


Der Samstag startete mit „Temple of Alice“. Solide Grunge Covers, gut gespielt und wussten zu überzeugen.

„Microplaste“ hat mich massiv irritiert. Über Geschmack lässt sich streiten, aber obwohl ich einen eigentlich weiten musikalischen Horizont habe, dass hat mich massiv überfordert. Ich kann es nicht bewerten. Ich kann damit nichts anfangen. Ich kann eigentlich jeder Musik IRGENDETWAS positives abgewinnen. Das war in meinen Augen 40 Minuten Lärm, aber hey. Wem es gefällt: Viel Spaß damit.

„Repentless“ dagegen sind musikalisch zwar großartig, aber der Sänger sollte sich bei den Ansagen echt mal locker machen. Aber ihre „Sepultura“ Covers und eigenen Songs sind allesamt Bretter. Ich liebe die Jungs.

„Die Brut“. Kein Horrorpunk, sondern „Blackened Deathpunk“. Bin sehr überzeugt. Howdie mal wieder am Mikro zu erleben ist echt ein Kuriosum, aber es passt auch einfach wie Faust aufs Auge. Ihr bester Song wurde „Bonzo Khan“ und den sonstigen verstorbenen Kalkwerkern der letzten Zeit gewidmet. Ich habe damit gerechnet, dass an sie gedacht wird. Absolut gut so!

„Volksverräter“? Gewohnt geil. Politische Vollklatsche auf die Fresse. Schnörkellos und immer geradeaus. Burner.

„Worry seed“. Ich könnte ja jetzt wieder blöde Witze darüber machen, dass der Sänger immer noch wie der von Placebo klingt, aber das greift zu kurz. Die Band spielt wunderbaren Alternative Rock und weiß was sie tut. Das kommt mega gut an. Aber übrigens: Der Sänger klingt wie der von Placebo. Ich kanns nicht ändern. Aber endlich mal was zusätzlich positives erwähnt. Und die Bassistin ist eine Künstlerin. Die zupft! Zurecht viel Publikum.

„Tscheggo&DJ Mort“: Unterhaltsame Show vom Ebbelwoi Rapper und seinem Live DJ. Darauf ein Stöffsche!

„Di_Hex“: Farblich passend zu ihrem Logo gekleidet in Pink und Blau überzeugt das Duo mal mit Bass/Schlagzeug oder Gitarre/Schlagzeug auch auf dem Kalkwerk Festival 2026 wieder. Ein bisschen bekloppt, aber umso liebenswerter. Jedes Jahr ein Bisschen mehr.

„Bloodspot“ haben eine Setlist aus neuen und älteren Tracks gebastelt, wobei ganz alte Klassiker leider ziemlich vernachlässigt wurden. Trotzdem eine bockstarke Show mit der zweiten Erinnerung an Andi (dana plan) und Kai. Spätestens als die Flaggen geschwungen wurden, wusste man wie geil dieser Auftritt mal wieder war.

„Fatcat“ haben mir überhaupt nicht gefallen. Bis ich die gesehen habe. Die Beschreibung im Programmheft hat mich überhaupt nicht abgeholt. Aber live waren sie eine der absolut großartigsten Kalkwerk Headliner der vergangenen Jahre. Geborene Performer.


Der Sonntag begann für mich aufgrund eines Termins erst um 18 Uhr und zwar mit „Jenntellmen“.

Bei meinem ersten Konzert an diesem Sonntag war gute Stimmung also vorprogrammiert. Bei Aretha Franklins „Respect“ versammelte sich eine ganze Gruppe Frauen auf der Bühne und setzten so ein Zeichen, dass bei „Whats Up“ fortgesetzt wurde. Ich hätte mir ja noch „Rehab“gewünscht, aber ich verstehe ja. Die Zeit ist knapp, dass Repertoire mittlerweile riesig.

„Polyone“ war wieder mit dem „Kollektiv 72“ am Start. FCK AFD Flaggen inklusive und so ging es mal ernst, mal chillig rund. Immer wieder ein Highlight.

„Boiler“ mit Mega Setlist, neuen Songs, riesigen Ballons und unglaublich viel Energie und Spaß. Zugabe wurde gewünscht, Zeit war vorbei. Um eine Massenaufruhr zu verhindern, wurde der Bierpreis reduziert. Vielleicht auch einfach so, aber mit der Erklärung gefällt es mir besser:-)

Kalkwerk Headliner ohne Bläser? Ist zwar seltsam, funktioniert aber. Zumindest für mich. In bester Skindred Manier mixen „Rhaatid“ Rock mit Reggae und nennen es „Roots Rock Reggae“. Bester Song meiner Auffassung nach „Rastaman on Broadway“. Passt ja, dass der auch die nächste Single sein soll.

„Hanging Dogs“ gingen auch nochmal gut ab und hatten einen enorm langen Auftritt. Neben gutem Songwriting wäre noch zu erwähnen, dass sie einfach heftig laut waren. Geiles Drum Solo inklusive.

Und das war’s. Vielmehr hab ich nicht gesehen. Natürlich wie gewohnt im Kalkwerk wieder gut gegessen/gespeist und die Kunstausstellung mitgenommen. Wie gesagt. Über Geschmack lässt sich streiten.

Ein leider viel zu kurzes Festival Wochenende. Wie immer mit vielen Highlights und unglaublich netten Menschen…

ABER: Keine 10 Minuten nach der letzten Band dass Bonkassen Personal abzuziehen, so dass man seinen Kalk Rest nicht wieder in die Währung der restlichen 362 Tage umtauschen kann, fand ich echt kacke.

Dann muss ich wohl nächstes Jahr wieder kommen.